Geplanter Kohleblock C Lausward -
Fragen und Antworten
Die mehrheitlich im Besitz der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) befindlichen Stadtwerke Düsseldorf wollen in der Lausward (Hafen) einen 400-Megawatt-Kraftwerksblock errichten. Auch wenn alle Welt inzwischen die globale Herausforderung des Klimaschutzes beschwört, setzen die Stadtwerke dabei auf den nach der Braunkohle klimaschädlichsten aller Energieträger - Steinkohle. Kommt das Kraftwerk, würden sich die Düsseldorfer Kohlendioxid-Emissionen auf einen Schlag um 50 % erhöhen. Dazu stößt ein solches Kraftwerk trotz angeblich modernster Filtertechnik einen gefährlichen Cocktail von Feinstaub, Schwermetallen und radioaktiven Substanzen aus. Ein solches Steinkohle-Kraftwerk birgt nicht nur große gesundheitliche Risiken, sondern würde auch die Lebensqualität für die im näheren und weiteren Umfeld des Hafens lebenden Menschen entscheidend beeinträchtigen. Im Dezember 2008 soll eine Investitionsentscheidung getroffen werden.
Wie ist der Stand des Genehmigungsverfahrens?
Mit der Terminierung des sog. Scoping-Termins zur Festlegung des Untersuchungsumfanges der Umweltverträglichkeitsprüfung am 8. Mai 2007 ist der geplante Bau des 400-MW-Steinkohlekraftwerks der Stadtwerke Düsseldorf in das offizielle Genehmigungsverfahren gegangen. Eine letztendliche Entscheidung, ob das Kraftwerk gebaut werden soll, wollen die Stadtwerke angeblich erst im Dezember 2008 treffen.
Der Versuch der Stadtwerke Düsseldorf, das Verfahren ohne weitgehende Öffentlichkeits-beteiligung durchzuführen, indem der Kraftwerksneubau formal lediglich als "wesentliche Änderung" bestehender Anlagen ohne erhebliche Umweltauswirkungen deklariert wird, ist wegen der Intervention des BUND gescheitert. Die Bezirksregierung Düsseldorf sicherte zu, die Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger umfassend an diesem Genehmigungsverfahren zu beteiligen. Der BUND hatte argumentiert, dass die vermeintlich zu ersetzenden Altanlagen bereits vor Jahren stillgelegt worden waren, das geplante Kraftwerk bautechnisch als Neuanlage zu bewerten sei und zudem schädliche Umweltauswirkungen unabwendbar wären. Ein Ausweichen in ein Genehmigungs-verfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung hält der BUND deshalb für rechtswidrig. [Mehr dazu in der Stellungnahme zum Scoping-Termin.]
Im Rahmen des weiteren Scoping-Verfahrens wird nun der Untersuchungsumfang für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) festgelegt [s. Protokoll des Scoping-Termins]. Diese muss dann mit dem offiziellen Antrag der Stadtwerke Düsseldorf AG auf Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz vorgelegt werden. [Mehr zum Ablauf eines immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens ... hier>>]
Mit Schreiben vom 27.08.2008 haben die Stadtwerke Düsseldorf AG bei der Bezirksregierung Düsseldorf einen Antrag gemäß § 9 Bundesimmissionsschutz-Gesetz (BImSchG) zur Feststellung der bauplanungsrechtlichen und umweltrechtlichen Zulässigkeit zur wesentlichen Änderung des Heizkraftwerks Lausward durch die Errichtung und den Betrieb des Blockes C eingereicht. Damit wurde das Genehmigungsverfahren offiziell eingeleitet (vgl. "Stadtwerke beantragen Kraftwerksgenehmigung" ). Der BUND war seitens der Bezirksregierung Düsseldorf aufgefordert worden, bis zum 30.10.2008 eine Stellungnahme einzureichen. Auf 82 Seiten hat der BUND dargelegt, warum das Vorhaben nicht genehmigungsfähig ist. Trotz des Votums aller Ratsfraktionen gegen das Kraftwerk haben die Stadtwerke Düsseldorf bislang den Genehmigungsantrag nicht zurückgezogen. Dabei hatte die Stadtwerke versichert, das Kohlekraftwerk nicht gegen den Willen der Stadt realisieren zu wollen. Die offizielle Sprachregelung derzeit lautet, dass der Genehmigungsantrag derzeit ruhe.
Brauchen wir das Kraftwerk überhaupt?
Nach Angaben der Stadtwerke benötigt Düsseldorf für seine rund 570.000 Einwohner und für Verwaltung, Industrie, Handel und Gewerbe durchschnittlich eine Leistung von 500 Megawatt (MW) Strom. Diese Leistung ist aber abhängig von Tageszeit, Witterung und Jahreszeit.
Die Höchstlast betrug so z.B. am 25.1.2006 723,5 Megawatt bei einer Engpassleistung von 640 MW. Nach Angaben der Stadtwerke werden im Düsseldorfer Versorgungsgebiet beispielsweise zur Mittagszeit an einem bewölkten Werktag im Winter bis zu 700 MW benötigt. Am Abend eines wolkenlosen Sonntags in den Sommerferien dagegen kann die Nachfrage auf 300 MW sinken. Diesem Bedarf stehen eigene Energieerzeugungsanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von etwa 585 MW gegenüber (HKW Lausward 520 MW, HKW Flingern 55 MW, Sonstige 10 MW). Damit ist die Eigenerzeugungslücke sehr gering.Vorwiegend wird in den Kraftwerken das gegenüber Kohle wesentlich weniger umweltschädliche Erdgas zur Energieerzeugung eingesetzt.
Es ist offensichtlich, dass der Hauptaktionär EnBW mit einem solchermaßen für Düsseldorf überflüssigen Kraftwerk seine Position in dem vom RWE und E.ON dominierten Strommarkt in Nordrhein-Westfalen ausbauen will. Derzeit produzieren die Stadtwerke Düsseldorf etwa 40 % ihres verkauften Stroms selbst. Zur Deckung des Eigenbedarfs fehlten hingegen lediglich eigene Energieerzeugungsanlagen mit einer Leistung von etwa 115 Megawatt. Diese vermeintliche Deckungslücke lässt sich aber problemlos durch Energiesparen und Erneuerbare Energien schließen.
In jüngster Vergangenheit versuchen die Stadtwerke, eine vermeintliche Notwendigkeit herbeizureden. Laut Aussage der Stadtwerke soll das Kraftwerk den in absehbarer Zeit stillzulegenden Gas-Block "Emil" in der Lausward ersetzen. Entsprechende Angaben dazu fehlen allerdings im Kraftwerksgenehmigungsantrag, im Gegenteil: Darin wird der Parallelbetrieb vorausgesetzt. Im am 16. November 2007 von den Stadtwerken Düsseldorf vorgelegten Energieprogramm 2020 wird von einer Stilllegung des Blocks "Emil" innerhalb der nächsten 10 Jahre, also 2016/2017 gesprochen. Warum dann ein neuer Kohleblock im Jahre 2012?
Der Kraftwerksstandort Düsseldorf soll jetzt offenbar mit einem zurzeit möglichst billigen Energieträger ausgebaut werden, um im Wettbewerb der großen Energiemultis Marktanteile zu erobern. Die Stadtwerke Düsseldorf bzw. EnBW sind auf Expansionskurs. Und dies zu Lasten der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger und der Umwelt.
Ein großes Kraftwerk mitten in der Stadt – muss das sein?
Die Stadtwerke Düsseldorf erzeugen auf der Lausward im Düsseldorfer Hafen seit rund 50 Jahren Strom und Fernwärme. Im Jahre 2003 wurde dort der letzte Steinkohleblock stillgelegt und damit die Umweltqualität entscheidend verbessert. Das anstelle der Kohleblöcke in Betrieb genommene Gaskraftwerk stößt nicht nur 60 % weniger Kohlendioxid aus, auch die Emissionen von Feinstaub und anderen Schadstoffen konnten brennstoffbedingt auf ein Minimum reduziert werden. Nicht zuletzt dadurch wurde ein wichtiger Standortfaktor für die Ansiedlung attraktiver Wohnungen und moderner Dienstleistungen geschaffen. Mit dem geplanten Bau des Steinkohlekraftwerks würden dies zunichte gemacht. Oder möchten Sie etwa als Hotelgast im Medienhafen auf den Schlot eines Steinkohglekraftwerks schauen?
Neben dem Ausstoß giftiger Stoffe (s.u.) verursacht ein Kohlekraftwerk auch gesundheitsschädlichen Lärm. Davon besonders betroffen werden das Hafenumfeld und die angrenzenden linksrheinischen Stadtteile (z.B. das Heerdter Krankenhaus) sein.
Welche Auswirkungen hat das Kohlekraftwerk auf unser Klima?
Mit dem Bau des Kraftwerks würde für die übliche Betriebslaufzeit von 40 bis 50 Jahren ein Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid von bis zu 130 Millionen Tonnen strukturell festgelegt. Nach der Braunkohle ist die Steinkohle der klimaschädlichste aller Energieträger. Die spezifischen CO2-Emissionen eines Steinkohlekraftwerks liegen derzeit bei etwa 900 g/kWh. Selbst mit modernster Kraftwerkstechnik liegen diese immer noch bei etwa 750 g/kWh, während ein modernes Gaskraftwerk auf unter 400 g/kWh kommt. Wird der Kohleblock im Vollastbetrieb gefahren, so wandern stündlich fast 150 Tonnen Import-Steinkohle in die Kessel. Bis zu 3 Mio. t Kohlendioxid würde das Kraftwerk jährlich ausstoßen. Im Genehmigungsantrag wird von jährlichen CO2-Emissionen des geplanten neuen Blocks C von 2,54 Mio. t ausgegangen.
Das seitens der Stadtwerke Düsseldorf gelegentlich vorgebrachte Argument, es würden die technischen Voraussetzungen für eine mögliche spätere Nachrüstung einer CO2-Abscheidung mit eingeplant ("CCS-ready"), ist Augenwischerei. Zum einen gibt es bis heute keinen technischen Nachweis der Machbarkeit der sog. CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage), auch die mögliche Endlagerung von CO2 in unterirdischen Speichern wirft viele unbeantwortete Fragen auf und ist risikoreich. Zum anderen taucht CCS oder CCS-ready im Genehmigungsantrag mit keiner Silbe auf. Würde es später, z.B. aufgrund von EU-Vorschriften, notwendig werden, CCS nachzurüsten, würde sich der Strompreis dadurch verdoppeln.
[Mehr Infos zu Kohlekraftwerken und CCS ... hier>>]
Optimierung der Fernwärme?
Die Stadtwerke behaupten, durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung am Standort Lausward im Düsseldorfer Hafen würde das umweltfreundliche Fernwärmeangebot optimiert. Die Restwärme der Stromproduktion aus dem neuen Kraftwerk solle als Fernwärme für die Innenstadt eingesetzt werden. Das führe zu einer sehr guten Energieausbeute der neuen Anlage von bis zu 74 Prozent.
Aber: Dafür sollen die bisher für die Fernwärme genutzten Kessel des Gaskraftwerks stillgelegt werden. Unterm Strich wird keine zusätzliche Fernwärme erzeugt werden.
Am 15.08.2007 verkündeten die Stadtwerke Düsseldorf, mit den Bilker Arcaden sei ein neuer Abnehmer für Fernwärme gefunden worden. 5,4 MW sollen dahin geliefert werden. Bei einer Feuerungswärmeleistung von 930 MWth. des geplanten Kraftwerks ist das allerdings nicht mehr als ein "Tropfen auf dem heißen Stein". Die im Energieprogramm 2020 festgeschriebene Absicht, bis 2020 90 MW Fernwärme zusätzlich zu erzeugen, ist zwar lobenswert, bleibt aber weit hinter den klimaschutzpolitischen Erfordernissen zurück. Ein konkretes Ausbaukonzept wurde bislang nicht vorgelegt.
Welche Auswirkungen hat ein Kohlekraftwerk auf die Gesundheit der Bevölkerung?
Steinkohle ist nach der Braunkohle der "dreckigste" fossile
Energieträger. Ein Steinkohlekraftwerk der 400-MW-Leistungsklasse
stößt jährlich trotz angeblich modernster
Filtertechnik mindestens 160 Tonnen Feinstaub, mehr als 200 kg des
Nervengifts Quecksilber, dazu weitere Schwermetalle wie
Blei, Arsen, Cadmium usw. aus. Zum Vergleich: Das
bestehende, wesentlich weniger die Umwelt belastende
GuD-Kraftwerk in der Lausward emittiert jährlich z. B. weniger
als 200 kg Feinstaub.
Dazu kommt der Ausstoß radioaktiver Elemente. Kohlekraftwerke sind als punktförmige Emittenten radioaktiver Substanzen schon seit langem bekannt. Bereits 1978 wies das amerikanische Oak Ridge National Laboratory (ORNL) darauf hin, dass die radioaktive Belastung im Umfeld kohlebefeuerter Kraftwerke sogar noch höher sei als in der Umgebung von Atomkraftwerken. Sowohl die radioaktiven Isotope der Uran- als auch der Thorium-Kette finden sich in den Kraftwerksaschen und werden auch über die Schornsteine emittiert. Weltweit gelten Braun- und Steinkohlekraftwerke neben Atomkraftwerken als die größte Quelle radioaktiver Kontamination der Umwelt.
In den aktuellen Genehmigungsverfahren für Kohlekraftwerke in NRW spielt das Thema bislang nur eine untergeordnete Rolle. In den Umweltverträglichkeitsprüfungen kommt die Radioaktivität aus Kohlekraftwerken gar nicht vor. Der BUND hat einige Argumente in einem BUNDhintergrund „Radioaktivität aus Kohlekraftwerken“ zusammengefasst.
Trotz Filtertechnik nach den gesetzlichen Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (13. BImSchV) und der TA Luft kämen mit dem neuen Kohlekraftwerk damit unweigerlich weitere Luftbelastungen
durch gesundheitsschädliche Schadstoffe auf ein stark vorbelastetes Gebiet zu. Das
neue Kraftwerk würde die jährlichen Feinstaub-Emissionen aus industriellen Anlagen mehr als verdoppeln
und die den Gesamtausstoß aller Düsseldorfer
Punktquellen um etwa ein Drittel erhöhen.
Auch wenn die Stadtwerke Düsseldorf behaupten,
durch das Rauchgasreinigungskonzept würden die
gesetzlich vorgegeben Grenzwerte z. T. sogar deutlich
unterschritten, bleibt die geplante Filtertechnik hinter
der "best verfügbaren Technik" zurück. Konventionelle
Elektrofilter sind wesentlich ineffektiver als z. B. Gewebefilter oder Bicorona-Filter.
Die Bevölkerung in Oberkassel, Düsseltal, Mörsenbroich und Pempelfort, dem ermittelten Bereich der
stärksten Zusatzbelastung der durch den geplanten 140 m hohen Schornstein verteilten Schadstoffe,
wäre von den Schadstoffen des Kraftwerks am stärksten betroffen. Aber auch das Hafen-Umfeld würde durch Kohletransport, -umschlag und -lagerung zusätzlichen Belastungen ausgesetzt.
Dazu kommen hohe zusätzliche Lärmbelastungen, v.a. im Bereich von Heerdt und Oberkassel.
Was sind die ökologischen Folgen der Kühlung mit Rheinwasser?
Zur Kühlung des Kraftwerks sollen bis zu 125.000 m3/Tag Wasser aus dem Rhein entnommen und wieder eingeleitet werden. Dabei wird der Rhein unweigerlich zusätzlich aufgeheizt. Auch ist heute völlig unklar, ob vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels überhaupt jederzeit ausreichende Kühlwassermengen zur Verfügung stehen. Die Behauptung der Stadtwerke Düsseldorf, dass mit der garantierten Einhaltung der höchstzulässigen Einleittemperatur für Kühlwasser von 30° C keine negativen Auswirkungen auf die Ökologie des Rheins zu erwarten seien, ist nicht nachvollziehbar. Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) hält eine maximale Rheintemperatur von 28° C für tolerierbar. Ab da droht der Exitus der aquatischen Lebensgemeinschaften. Für seltene Wanderfische wie den Lachs gilt eine Höchsttemperatur von 25° C als Obergrenze.
Auch der Verweis auf
die Kraftwerks-Sicherheit bei 100-jährlichem Hochwasser reicht heute nicht mehr aus. Wegen des unabwendbaren Klimawandels
werden nach Auffassung des UN-Klimarats Hochwasserereignisse zukünftig deutlich an Intensität ("200-jährliches Hochwasser") zunehmen. Das geplante Kraftwerksgelände liegt im Bereich eines solchen Hochwassers. Eine Flutung könnte unabsehbare Folgen haben.
Andererseits gefährdet Niedrigwasser die Versorgungssicherheit. Klimaexperten prognostizieren, dass die geringe Rheinwasserführung des Jahres 2003 zukünftig - bedingt durch den Klimawandel - der Regelfall sein wird. Ein Kraftwerk mit Durchflusskühlung wird denn iun den Sommermonaten nicht mehr zu betreiebn sein.
Wo kommt die Steinkohle her?
Ein Steinkohle-Kraftwerk rechnet sich nur, wenn billige Importkohle aus Übersee eingeführt wird. Die Steinkohle für das Kraftwerk Lausward soll voraussichtlich überwiegend per Schiff aus Südafrika und Südamerika (Kolumbien) bezogen werden. Niemand kann dort hohe soziale und ökologische Standards garantieren. Im Gegenteil: Die Steinkohle wird z.B. in Kolumbien unter grober Missachtung der Menschenrechte und der Umwelt gefördert. Ganze Landstriche werden vewüstet, die Minenarbeiten wie Sklaven gehalten. Während diese "Blutkohle" früher von Politik und Gewerkschaften verteufelt wurde, scheint sie jetzt salonfähig zu werden. [ siehe den Deutsche Welle Beitrag "
Menschenrechtsverletzungen durch Kohlebergbau" vom 20.11.2008]
Warum wird nicht statt auf Kohle auf den Ausbau regenerativer Energien gesetzt?
"Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck am Ausbau regenerativer Energieerzeugungsanlagen. Bis diese jedoch so effizient arbeiten und so leistungsstark sind, um eine Großstadt zu versorgen, ist der Einsatz von Steinkohle insbesondere unter Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung ein auch ökologisch sinnvoller Weg", behaupten die Stadtwerke Düsseldorf.
Richtig ist: In puncto Erneuerbarer Energien
haben die Stadtwerke großen Nachholbedarf.
Inklusive des neuen Biomasse-KWK-Kraftwerks in Düsseldorf-Garath werden
gerade einmal 10 Megawatt an
elektrischer Leistung durch eigene Erneuerbare
Energien-Anlagen bereit gestellt, gegenüber
575 MW auf Basis fossiler Energieträger. Die Stadtwerke betreiben gerade einmal zwei Windkraftanlagen mit einer elektrischen Leistung von 4 MW in Willich. Heute sind verschiedene hocheffiziente Offshore-Windparks z. B. in der Nordsee genehmigt, an denen die Stadtwerke problemlos lukrative Beteiligungen erweben könnten.
Diesen "kläglichen Anteil" von unter 2 %
gilt es auszubauen. Bundesweit entfallen schon jetzt 13,3 % der Stromerzeugung auf Erneuerbare Energien.
Bleibt Kohle ein preiswerter Energieträger?
Nein. Zukünftig wird Strom aus Kohle immer teurer. Derzeit rechnet sich Kohle nur, weil Kohlekraftwerke im Zuge des Emissionshandels noch den Großteil der Verschmutzungsrechte kostenlos zugeteilt bekommen und sie gegenüber weniger umweltschädlichen Gaskraftwerken privilegiert werden. Dies wird sich zukünftig ändern. Die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten wird ab 2013 beendet. Dann müssen Kraftwerksbetreiber aller Voraussicht nach die Verschmutzungsrechte zu 100 % ersteigern, was zu einer weiteren Verteuerung des Kohlestroms führen wird.
Auch sind die Investitionskosten für Kohlekraftwerke im Vergleich mit Gaskraftwerken gleicher Leistung doppelt so hoch. ASTR(H)EIN hatte schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass die weltweite Stahlknappheit und die hohe Nachfrage im Kraftwerkssektor zu einer drastischen Verteuerung von Kohlekraftwerken führen werden. Im Vergleich zu größeren Kraftwerksblöcken schneidet ein relativ kleiner 400 MW-Kraftwerksblock, wie er in Düsseldorf geplant ist, in Sachen ‚Baukosten’ sogar noch schlechter ab.
Andere Investoren haben aus dieser Entwicklung bereits die Konsequenzen gezogen.Nach Kraftwerksabsagen in Köln und Bielefeld war Ende Januar aus eben diesen Gründen der Baustopp für ein 750 MW-Kraftwerk in Herne verkündet worden.
Waren die Stadtwerke ursprünglich von Baukosten in Höhe von 500 Millionen Euro ausgegangen, so hatten sie diese Summe bereits Ende 2007 auf 580 Mio. € korrigiert. ASTR(H)EIN geht davon aus, dass es dabei nicht bleiben wird. Nach Branchenangaben sind die Preise für Kraftwerkskomponenten innerhalb eines halben Jahres um mindestens ein Viertel gestiegen. Für das Kraftwerk Herne stiegen den Investitionskosten sogar um 50% (von 1 auf 1,5 Mrd. €). Inzwischen gehen auch die Stadtwerke von Kosten in Höhe von etwa 700 Mio. Euro aus.
Ab 2013 wird auch die geplante Vollauktionierung der CO2-Zertifikate dazu führen, dass der in Block C produzierte Strom Zusatzkosten in Höhe von etwa 75 Millionen Euro jährlich generieren wird. Die EU plant daneben auch die Festlegung von spezifischen CO2-Höchstmengenfür Kraftwerke. Diese dürften nur über eine spätere Nachrüstung mit teurer CCS-Technik erreichbar sein. [ s. BUNDhintergrund Ökologisches Feigenblatt CCS - CO2-Abscheidung ist kein Beitrag zum Klimaschutz (November 2008)]
Der Strom aus Anlagen zur Nutzung der Windenergie, Biomasse, Geothermie oder Photovoltaik wird aufgrund der rasanten Entwicklung im Bereich Erneuerbarer Energien hingegen immer preiswerter. Schon jetzt ist zertifizierter Ökostrom zum gleichen Preis wir Kohle- und Atomstrom vieler Anbieter - auch der Stadtwerke Düsseldorf - zu haben.
Erdgas als Alternative?
Im Gegensatz zu Steinkohle ist Erdgas wesentlich weniger umweltschädlich. Trotzdem
schließen die Stadtwerke Düsseldorf diese mögliche Alternative aus.
Das Argument der vermeintlichen Unwägbarkeiten des Gasbezugs wegen der großen Importabhängigkeit
haben die Fachleute des Umweltbundesamtes längst widerlegt. Durch entsprechende
Gas-Einsparungen im Bereich der Wärmeversorgung mittels effizienterer Gebäudedämmung
könnte dieser - zumeist über langfristige Lieferverträge gesicherte - Brennstoff für den Kraftwerksbereich
zur Verfügung gestellt werden.
Allerdings besteht - wie bereits dargelegt - überhaupt keinen Bedarf für ein 400-MW-Kraftwerk,
sei es nun auf Gas- oder Steinkohlebasis. Wenn zur Deckung des Eigenbedarfs ein Zubau
von maximal 150 Megawatt erforderlich ist, ließe sich dieser z. B. durch mehrere kleine Stadtteil-Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung
im Verbund mit lokalen Fernwärmeinseln dezentral realisieren.
Was ist die umweltfreundlichste Alternative?
Ein GuD-Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder mehrere dezentrale Blockheizkraftwerke
sind allerdings nur die dritt- und zweitbeste Lösung. Aus klimaschutzpolitischer
Sicht ist ein "Einsparkraftwerk" das Mittel der Wahl. Eine solche Alternative besteht
aus den Bausteinen Energiesparen (weniger Strom durch intelligente Nutzung effizienterer
Geräte) und Erneuerbaren Energien. Dass ein solches "Negawatt-Kraftwerk" bei sogar langfristig
geringeren Kosten - und bei Null-Emissionen von CO2 - möglich ist, belegen Alternativgutachten
an anderen Standorten geplanter KOhlekraftwerke (z. B. RWE-Kraftwerk Grevenbroich-Neurath, Mainz, Hamburg-Moorburg).
50 % der im Kohlekraftwerk geplanten Stromerzeugung könnten durch effiziente Stromanwendungen
und Stromsparprogramme vermieden werden. Ein einfaches Beispiel: Durch den Kauf eines
modernen Gefrierschranks der Effizienzklasse A++ können gegenüber einem Modell der Effizienzklasse
A bis zu 60 % Strom eingespart werden. Im gesamten Haushaltsbereich liegen Stromeinsparpotenziale
von etwa 40 %. Da die Investitionskosten
für solche Stromsparmaßnahmen
vom Stromkunden selbst getragen
werden müssten, sollten die Stadtwerke
anstatt in ein neues Kraftwerk zu investieren
ein Förderprogramm "1 Cent für die
gesparte kWh" auflegen.
50 % der geplanten Stromerzeugung
könnten des Weiteren durch Erneuerbare
Energien bereitgestellt werden.